Franz von Sales, Patron der Journalisten

Franz
von Sales,
Patron der Journalisten.*(Zeichnung von
Michael McGrath OSFS)*
Weitere
Informationen
über Franz von Sales
>>>hier
P. Herbert
Winklehner OSFS
Franz von Sales -
Patron der Schriftsteller
und Journalisten
Der heilige Franz von Sales wurde 1567 in Thorens, südlich
des Genfer Sees, in Savoyen geboren. 1593 wurde er zum Priester und
1602 zum Bischof von Genf/Annecy geweiht.
Seine herausragenden Leistungen waren die Rückführung des
Chablais zum katholischen Glauben, der Bestseller "Anleitung zum
frommen Leben - Philothea" und die Gründung des Frauenordens
der Heimsuchung Marias.
1622 starb er in Lyon. 1661 wurde er selig und 1665
heilig gesprochen. 1877 kürte ihn die katholische Kirche
zum Kirchenlehrer und 1923 erwählte sie ihn zum Patron
der Schriftsteller und Journalisten. Warum? Darüber geben folgende
Zeilen Auskunft.
Journalisten
rangieren in einer Vertrauensskala der Bevölkerung an drittletzter
Stelle, unterboten allein von den Rechtsanwälten und Politikern.
Streß und dauernder Zeitmangel verbunden mit häufigem Kaffee-
und Zigarettenkonsum drücken die durchschnittliche Lebenserwartung
dieser Berufsgruppe auf 49 bis 51 Jahre. Häufigste Todesursache
ist der Herzinfarkt.
Funktionierende zwischenmenschliche Beziehungen sind für den Journalisten
die Ausnahme. Nur Ärzte weisen eine höhere Scheidungsrate auf.
Die Anforderungen an den Journalisten des ausgehenden 20. Jahrhunderts,
das in die Geschichte als Jahrhundert der Massenkommunikation
eingehen wird, werden im kommenden Jahrtausend sicherlich noch größer
werden. Der Konkurrenzkampf innerhalb der Medienbranche ist schon jetzt
fast unerträglich. Die neuen Technologien, der Computer, das Internet
tun ihr übriges.
Mit der Bedeutung der Massenmedien steigt auch das Maß derVerantwortung, das der Journalist gegenüber den Menschen trägt,
die er zu informieren hat. Die Katholische Kirche stellte daher bereits
am Beginn unseres Jahrhunderts diesem Berufsstand den heiligen Franz
von Sales als Schutzpatron zur Seite. Leider mit bisher wenig
Resonanz unter den Journalisten. Man kennt vielleicht seinen Namen und
die wichtigsten biographischen Daten, seine Bedeutung für den Journalismus
ist aber sehr selten wirklich bewußt.
Anscheinend mißt man einem Heiligen, der von 1567 bis 1622 lebte,
keine besondere Bedeutung für einen Beruf bei, den es zu seiner
Zeit noch gar nicht gab. Papst Pius XI. hatte allerdings gute
Gründe, gerade Franz von Sales 1923 zum Journalistenpatron
zu küren. Die Lebensgeschichte des Heiligen weist nämlich
einige ganz konkrete journalistische Berührungspunkte auf:
1594 zum Beispiel, am Beginn seiner priesterlichen Tätigkeit,
erhielt Franz von Sales den Auftrag, die Bewohner des Chablais
südlich des Genfer Sees, die im Zuge der Reformation zum Calvinismus
übergetreten waren, wieder für den katholischen Glauben
zu gewinnen. Als die politischen Machthaber dieser Region davon erfuhren,
verboten sie der Bevölkerung unter Strafe, die Predigten des jungen
Missionars zu besuchen. Franz von Sales wurde einfach boykottiert. Er
mußte daher andere Wege finden, den katholischen Glauben
unter das Volk zu bringen. Er wählte dazu eine Methode, die in
jener Zeit gerade modern wurde: das Flugblatt. In periodischen
Abständen verfaßte er ein Flugblatt, vervielfältigte
es und heftete es an die Haustüren und öffentlichen Plätze.
Franz von Sales hatte mit dieser Methode großen Erfolg.
Bereits nach drei Jahren konnte er seinem Bischof berichten, daß
die Bevölkerung des Chablais wieder in die katholische Kirche zurückgekehrt
ist. Der Erfolg seiner Flugblätter ist leicht erklärbar: Franz
von Sales orientierte sich an seiner Leserschaft und verfaßte
seine Artikel in der Landessprache, was damals im von der lateinischen
Sprache beherrschten Raum der katholischen Kirche praktisch einzigartig
war. Zudem verstand es Franz von Sales, schwierigste theologische Themen
einfach und klar und für das Volk verständlich zu vermitteln.
Er übernahm auch nicht den üblichen polemischen Stil, der
damals im Zuge der Glaubensauseinandersetzungen auf beiden Seiten vorherrschte.
Für ihn galt vielmehr der Grundsatz: "Man muß wohl über
das Schlechte empört und fest entschlossen sein, sich niemals darauf
einzulassen; dennoch muß man dem Nächsten gegenüber
ganz mild bleiben."
Auch wenn Franz von Sales ohne Umschweife die Irrlehren des Calvinismus
anprangerte, so achtete er dennoch die Würde seiner Gegner,
die er nicht selten als seine "Brüder" bezeichnete. Charakteristisch
für seine Flugblätter war ebenso eine akribische Genauigkeit
der Recherche sowie ein hohes Maß an Bildung und Objektivität.
Franz von Sales wurde zwar von einem besonderen Interesse geleitet,
nämlich von der Lehre der katholischen Kirche, er legte
dieses Interesse aber deutlich an den Tag. Er versuchte nicht,
durch irgendwelche Verschleierungen die Meinung seiner Leser
zu manipulieren. Außerdem informierte sich Franz stets
über die Meinung seiner Gegner.
In einer Zeit, als man eine Sondererlaubnis des Bischofs brauchte,
um überhaupt reformatorische Werke, die sich allesamt auf
dem Index der verbotenen Bücher befanden, lesen zu dürfen,
erstaunt Franz von Sales durch seine ausgezeichnete Kenntnis der Lehren
Calvins, Zwinglis oder Luthers.
An diesen
biographischen Hinweisen wird bereits deutlich, welchen Ansprüchen
ein Journalist gegenübersteht, wenn er Franz von Sales als
seinen Patron ernst nimmt. Es sind allerdings Ansprüche,
die man auch in den journalistischen Lehrbüchern von heute findet:
**Leserorientierung,**Achtung der Würde der Person,
Objektivität,
Genauigkeit in der Recherche
Offenlegung seiner Interessen, um
den Gefahren einer Meinungsmanipulation entgegenzuwirken.
Auch wenn
Franz von Sales ab seiner Weihe zum Bischof von Genf 1602
keine Flugblätter mehr verfaßte, so endete damit nicht auch
gleichzeitig seine Schreibtätigkeit. Im Gegenteil: In dieser Zeit
entstanden tausende Briefe sowie seine literarischen Hauptwerke
"Abhandlung über die Gottesliebe" und "Anleitung zum
frommen Leben".
Letzteres Buch, das allgemein unter dem Namen "Philothea" bekannt
ist, rangiert noch heute an der dritten Stelle der Hitliste christlicher
Literatur. Das literarische Gesamtwerk des heiligen Franz von Sales,
der in Literaturlexikas als "Klassiker der französischen Sprache"
bezeichnet wird, entstand ausnahmslos unter Bedingungen, die Journalisten
von heute sehr gut nachvollziehen können.
Arbeitsüberlastung und Zeitdruck kennzeichneten das
Leben des Bischofs von Genf bis zu seinem Tod 1622. Um sich dennoch
sorgfältig und genau mit den verschiedensten Themen auseinandersetzen
zu können, machte Franz von Sales bereits von einer Methode gebrauch,
die heute unter Journalisten gang und gebe ist. Um einem Artikel die
richtige Struktur zu geben, soll sich der Journalist die Fragen stellen:
Wer? Was? Wann? Wo? Wie? und Warum? Franz von Sales machte es
genauso und er empfahl diese Methode auch seinen Priester zur Vorbereitung
ihrer Predigten.
Eine Richtlinie, die den Heiligen ebenso beeinflußte, war seine
Liebe zur Wahrheit. Dieses Axiom war das oberste Gebot all seiner
Aufgaben. Seine Liebe zur Wahrheit veranlaßte die Kirche, ihn
1877 zum Kirchenlehrer zu ernennen. Franz von Sales ist
für die Journalisten sehr wohl ein geeigneter Patron,
der auch heute noch Orientierungshilfen geben kann. Seine Ansprüche
sind hoch und im journalistischen Getriebe nicht leicht zu verwirklichen.
Der heilige Franz von Sales bliebe aber hinter seinem Ruf zurück,
zeigte er nicht auch Verständnis für die Fehler
und Schwächen der Journalisten. So schreibt der Bischof:
"Man behandelt manchmal die Schriftsteller zu hart. Man fällt sehr
rasch ein strenges Urteil über sie und offenbart dabei mehr an
Taktlosigkeit, als jene an Unklugheit, da sie ihre Schriften voreilig
veröffentlichten."
Man kann also den Journalisten nur empfehlen, sich in der Erfüllung
ihrer verantwortungsvollen Aufgabe immer wieder auch an ihren Schutzpatron
zu wenden. Papst Pius XI. hat 1923 wirklich eine gute Wahl getroffen.
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